Das Centrum Bavaria Bohemia fragt deshalb seine Partner, mit denen es langjährig zusammenarbeitet, um anhand der Antworten ein Bild zu vermitteln, wie die jetzige Situation das Kulturleben in Bayern und in Tschechien beeinflusst.
David Stecher / Prag
„Nach jeder langen Finsternis muss auch irgendwann einmal Licht folgen.“Das Prager Literaturhaus stellt der Öffentlichkeit deutschsprachige Autoren, die auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik lebten und wirkten, vor. Der leitende Direktor David Stecher ist von Beginn an eng mit dem CeBB verbunden. Immer wieder setzen wir in Zusammenarbeit mit dem Prager Literaturhaus gemeinsame Veranstaltungen um – aktuell bereiten wir einige Lesungen im Rahmen des Projekts „Kulturstadt Bayern-Böhmen“ in Schwandorf und Wunsiedel vor!
Und wie geht’s dem Prager Literaturhaus derzeit? Die Besuchereinschränkungen im Notstand, sowie die Absage der alljährlichen Buchmesse waren harte Rückschläge, sodass die Stimmung zwischen Hoffnung und Bangen schwankte. Durch Live-Lesungen, Videobotschaften und alternative Veranstaltungsformate wie der Veranstaltungsreihe „Literatur unter freiem Himmel“ mit namhaften Gästen wie Jindřich Mann, Irena Dousková und Petr Borkovec hat das Prager Literaturhaus flexibel auf die Einschränkungen reagiert und hält den deutsch-tschechischen Literaturaustausch am Leben.
David Stecher freut sich frei nach dem Credo „Literatur lebt!“ auf die geplanten Lesungen im Rahmen des Kulturstadtprojekts und auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Die enge Zusammenarbeit auch in Zeiten der Pandemie stimmt David Stecher hoffnungsvoll. Vorläufig könnt ihr das Prager Literaturhaus und die aktuellen Vorstellungen von Büchern und Autoren auf Facebook oder der Homepage verfolgen!
Galerie Klatovy / Klenová
Mit der Galerie Klatovy / Klenová, einer Zuschussorganisation des Pilsner Bezirks, arbeitet das Centrum Bavaria Bohemia jahrelang an unterschiedlichen Projekten. Kürzlich wurde ein Land-Art-Projekt, das von der EU gefördert wurde, abgeschlossen, und es beginnen bereits die Vorbereitungen auf einen weiteren Jahrgang des Comics-Symposiums.
Da sich die Galerie in historischen Räumlichkeiten der Burg und des Schlosses in Klenová befindet und dessen Bestandteil auch das umliegende Gelände mit der Getreidekammer (wo ausgestellt wird), einem Wirtschaftshof (in dem zurzeit ein neuer Depositar entsteht) und den anliegenden Wäldern (um die sich die Galerie kümmert) sind, ist die Pflege dieser Objekte und Räumlichkeiten von der pandemischen Situation fast unbetroffen.
Trotzdem stellte die Corona-Pandemie einen Faustschlag für das Programm der Galerie dar – Veranstaltungen wurden gestrichen, Ausstellungen gekürzt, langfristig geplante Projekte eingeschränkt oder aufgrund der Maßnahmen nicht durchgeführt.
Gestrichen werden musste so z.B. der Aufenthalt von zwei deutschen Künstlern in der Villa Paula in Klenová, die im Rahmen eines Künstleraustausches das Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf empfahl. Nach Schwandorf konnten wiederum zwei tschechische Künstler nicht reisen, die von der Galerie vorgeschlagen werden.
Ausstellungen, die gestrichen oder zeitlich begrenzt werden mussten, bietet die Galerie Klatovy / Klenová in Form von Online-Präsentationen und Videos auf deren Webseiten. Dank moderner Technologien kommen so Kunstliebhaber nicht um die Erlebnisse aus der künstlerischen Landschaft Westböhmens.
Bereits jetzt werden Veranstaltungen für das Jahr 2021 vorbereitet. Dann können sich Besucher auf kommentierte Führungen, Vorträge, offene Ateliers oder Kinderveranstaltungen freuen.
„Obwohl uns das Jahr 2020 Hürden in den Weg stellt, so sind wird voller Hoffnung, dass wir mit gemeinsamer Kraftanstrengung diese schwierige Phase überwinden“, fügt Vlasta Hrabětová von der GKK hinzu.
Jindřich Rejšek | Rybník
Viele kennen das Gasthaus “Rekreační středisko” in Rybník als beliebtes Ausflugsziel – auch der deutsch-tschechische Stammtisch des CeBB gastierte häufig dort und der Stammtisch am Lagerfeuer ist legendär. Wir sprachen mit Wirt Jindřich Rejšek und fragten: Wie geht´s in Zeiten der Pandemie?
Auch in Tschechien sind die Wirtshäuser geschlossen. Jindřich Rejšek musste im Oktober schweren Herzens alle Mitarbeiter nach Hause schicken. Einige sind in Kurzarbeit, andere arbeiten nun im öffentlichen Dienst und der Industrie. Unterstützung für den Wirt selbst gibt es nicht, wenn Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen wird, um die Existenz der Mitarbeiter zu sichern. Jindřich Rejšek führt nun verschiedene Bauarbeiten in der Gemeinde aus.
Der Arbeitskräftemangel war in den letzten Jahren die größte Herausforderung. Dennoch konnte seit 2007 neben dem Gasthaus auch eine moderne Pension mit Sportanlagen aufgebaut werden. Zuletzt bot Jindřich Rejšek in dem kleinen Dorf Rybník ganzjährig über 100 Betten an, die vor allem im Sommer ausgebucht waren.
Wir drücken die Daumen, dass dieser wichtige Baustein der touristischen Infrastruktur im Oberpfälzer Wald und Český les bald wieder Gäste empfangen kann!
čojč gGmbH – Theaternetzwerk Böhmen-Bayern | Nürnberg
Mit Čojč begegnen wir uns immer wieder. Das Čojč war bei uns in Schönsee bereits mit zwei Konferenzen und mehreren kleinen Treffen. Aktuell bereiten wir miteinander einige Projekte im Rahmen der Kulturstadt Bayern-Böhmen in Schwandorf und in Wunsiedel vor.
Das čojč * (sprich: tscheutsch) Theaternetzwerk Böhmen Bayern veranstaltet Theater-Begegnungen mit deutschen und tschechischen Jugendlichen. Sie widmen sich immer einem speziellen Thema und am Ende entsteht eine Inszenierung, die im Grenzland zu erleben ist. Aufgrund des Viruses musste das in diesem Frühjahr geplante čojč-Großevent ausfallen. Zwei der drei Theaterprojekte könnten glücklicherweise im Sommer nachgeholt werden. Eines musste leider abgesagt werden.
Doch Čojč zeigt: Begegnung geht auch online! Aktuell findet bis zum 2.12. mittwochs ab 18 Uhr ein kostenloser spielerischer Sprachkurs „Kommunikatze“ auf Zoom statt. Jede Woche geht es um ein anderes Thema, im Zentrum stehen immer Kommunikation, Austausch und Kreativität beim Sprachenlernen. Wer Interesse hat kann gerne noch dazu kommen (Kontakt: valentina.eimer@cojc.eu)!
Und auch für das nächste Jahr wird viel geplant: 2 Theaterprojekte für Jugendliche eines für Studierende und 2 Fortbildungen für Pädagog*innen. Die Informationen hierzu versammeln sich gerade auf www.cojc.eu, schauen sie mal rein.
Jaroslav Fait | Plzeň
Bei vielen Treffen helfen Dolmetscher die Sprachbarriere zwischen Deutschen und Tschechen zu überwinden. Obwohl sie oft im Hintergrund bleiben, ist ihre Präsenz für uns unentbehrlich. Wegen der Corona-Pandemie mussten wir eine Reihe an Veranstaltungen absagen und die Dienstleistungen der Dolmetscher nicht wie gewohnt in Anspruch nehmen. Einen von ihnen, Jaroslav Fait, fragten wir deshalb: Wie geht’s…?
Jaroslav und seine Kollegen betrafen unmittelbar bereits die Restriktionen im Frühjahr, mit denen auch die ersten Absagen von Veranstaltungen kamen. Im Kalender haben sie nach und nach Termine in Bayern gestrichen und hofften, dass der Herbst wieder ins Normale rückt. Stattdessen kam aber die zweite Welle und mit ihr weitere Veranstaltungsabsagen. Seine jetzige Tätigkeit besteht nun in Dolmetscherdiensten online und in schriftlichen Übersetzungen.
Bereits in der Vergangenheit diskutierte er mit seinen Kollegen über die Zukunft des Dolmetschens im Digitalzeitalter. Die derzeitige Situation hat diese Überlegungen noch intensiviert. So schnell wie möglich brachten sie ihre Dienstleistungen online. Bereits im April boten sie ihren Kunden eine App mit simultanem Dolmetschen online an, die ständig erweitert und verbessert wird. Heute können sie Konferenzen abhalten, die von einer oder mehreren Kameras aufgenommen und im Internet gestreamt werden können.
Das, was anfangs als eine Notlösung entstand, bleibt Letzen Endes bestimmt Teil seiner Arbeit auch in der Zukunft. „Die Menschen möchten sich natürlicherweise weiterhin treffen, denn persönliche soziale Kontakte sind unersetzlich. Aber gleichzeitig haben wir in den letzten Monaten gelernt, dass vieles effektiver und schneller im virtuellen Umfeld gelöst werden kann. Corona wird also auch unseren Beruf verändern.“ wägt Jaroslav ab.
EXPULS | Oberpfalz
Auf unsere Veranstaltungshinweise können Sie immer wieder auch im Expuls Magazin stoßen. Das „Magazin für das Glücksbiotop Oberpfalz“ können Sie in vielen Einrichtungen und Geschäften seit knapp 30 Jahren kostenlos mitnehmen.
Das Hauptaugenmerk von Expuls liegt bei Kultur. Das führt leider aufgrund der Corona-Pandemie und den zahlreichen Veranstaltungsabsagen zu größeren Schwierigkeiten. Seit März kann Expuls leider viel weniger Umsatz erzielen als sonst. Zum Glück gibt es immer noch einige treue Wirtschaftsunternehmer, die Expuls derzeit durch Anzeigen unterstützen, die Druckkosten sind aber nach wie vor hoch und diese Unterstützung ist leider nicht genug.
Deswegen hat Expuls jetzt eine Crowdfunding-Aktion gestartet, in der man sie unterstützen kann. Mehr dazu ist auf der Webseite von Expuls zu finden. Wir werden Expuls auch weiterhin mit unseren Veranstaltungshinweisen und Inseraten unterstützen und hoffen, dass dieses legendäre Magazin die jetzige Krise übersteht. Die nächste Ausgabe erscheint im Dezember und wird wie gewöhnt auch bei uns im Centrum Bavaria Bohemia auslegen.
Markéta Schley Reindlová | Plzeň
Mit der Orgelspielerin Markéta Schley Reidlová arbeiten wir im Rahmen des Projekts Barockregion Bayern-Böhmen zusammen. Letztes Jahr haben wir zusammen ein großartiges Konzert im Kloster Ensdorf veranstaltet, heuer konnte ein Konzert in Valeč umgesetzt werden. Zwei weitere Konzerte in Oberviechtach und im Kloster Walderbach mussten leider abgesagt werden.
Für die Musikerin Markéta Schley Reindlová änderte sich die Arbeit von Live-Auftritten vorm Publikum in digitale Musikbeiträge und Online-Konzerte. Sie sucht weiterhin nach Möglichkeiten von Live-Auftritten. Konzerte mit Publikum sind zurzeit noch nicht möglich, aber ein Konzert in einer Kirche oder einem Saal, auch wenn ohne Publikum, aber dafür mit Videostreaming, nimmt sie als eine hervorragende Gelegenheit für Künstler wie für Zuhörer wahr. Diese haben bei Orgelkonzerten sogar die Möglichkeit die Spielerin direkt beim Spielen zu beobachten, was bei einem gewöhnlichen Orgelkonzert nicht möglich ist.
Wenn die Pandemiewelle vorbei ist, freut sie sich neben der Kirchentätigkeit als Orgelspielerin und Chorleiterin in Bamberg auf gemeinsame Konzerte mit ihrem Bruder Tomáš Reindl. Gemeinsam haben sie ein interessantes und leicht experimentelles Programm für die Orgel, verschiedene ethnische Instrumente (indische Tabla, Didgeridoo, Percussion) und interaktive Elektronik erarbeitet und verbinden darin alte Musik mit gegenwärtiger Musik.